Demo für den ‚Finkenbaum‘

Am 17. Januar beschloss der Ausschuss für Umwelt und Naturschutz, dass ein Baum auf dem Finkenweg „entnommen“ werden soll. Grund: Anwohner hatten die Verkehrssicherheit bemängelt, da die umliegenden Randsteine durch das Wurzelwerk bereits angehoben wurden. Unseren Vorschlag, die Randsteine neu zu setzen und den Baum zu erhalten, wurde mit einem süffisanten Lächeln der restlichen Ausschussmitglieder abgebügelt. In nur wenigen Minuten wurde in der Sitzung das Schicksal und damit das Leben des Baumes besiegelt.

Das wollten und konnten wir als B90/Die Grünen nicht hinnehmen. Schon zu oft und zu schnell, hat der Rat bzw. der Ausschuss über das Schicksal von Bäumen entschieden und immer mit dem Ergebnis, dass die Bäume „entnommen“ wurden. Ein Begriff, der zynischer und verharmlosender nicht sein kann.

In einer ungewohnten Aktion riefen wir die Bürger zu einer Demonstration zur Erhaltung der Linde am Finkenweg am 02.02.2019 auf. Trotz niederrheinischem ‚Usselswetter‘ und Schneeregen stellten sich gut zwanzig Menschen vor die Linde am Brüggener Finkenweg – im doppelten Wortsinn. Aus unserer Perspektive darf es so in Brüggen nicht weitergehen. Dass wir mit dieser Meinung nicht alleine stehen, hat sich bereits im Vorfeld gezeigt. Ein ehemaliges namhaftes und hochrangiges Gemeindemitglied hatte sich schon vorab persönlich bei der Verwaltung vorstellig gezeigt und demonstrativ seine Meinung zu dieser Beschlussvorlage kundgetan. Wie wir bereits erfahren haben, hat die Verwaltung daraufhin den Beschluss kurzerhand einkassiert und auf weiters ausgesetzt.

Doch der Sieg für den inzwischen so getauften ‚Finkenbaum‘ kann nur ein Etappensieg sein. Aus der Anregung einer Bürgerin, in einer Baumschutzsatzung festzuhalten, unter welchen Umständen Bäume erhalten bleiben müssen, hat die Verwaltung das genaue Gegenteil gemacht. Statt einen Schutz der Bäume weisen die vom Gemeinderat mit Mehrheit aufgestellten Regeln reichlich dehnbare Gründe auf, warum die Motorsäge rattern darf. Stolpernde Kinder gehören zwar nicht dazu, wohl aber Bäume die durch Laub ihr Umfeld verschmutzen.

Der Todesbefehl des Ausschusses für den sogenannten Naturschutz war nur die vorerst letzte Episode. Doch damit wurde aus unserer Sicht eine rote Linie überschritten. Demnächst sollen die stattlichen Bäume rund um die ehemalige Jagdschule ‚entnommen werden‘, Bäume übrigens, die ein von der Gemeindeverwaltung selbst hinzugezogener Fachmann als ‚besonders erhaltenswert‘ einstufte. Begründung für die Fällaktion: ‚So lassen sich die Grundstücke besser vermarkten‘.

Es wird Zeit, dass die Bürger diesem Fäll-Aktionismus ein Ende setzten. Wir als B90/Die Grünen sind nicht mehr bereit stillschweigend zuzuschauen, wenn gesunde Bäume aus nichtigen Gründe einfach gefällt werden. Auch wenn immer wieder von Ersatzpflanzungen die Rede ist, so ist dies nicht gleichzusetzen und vor allem kein Ersatz für den Verlust eines gesunden und erwachsenen Baums, der mehr leistet, als es so manchen Ausschussmitgliedern wohl bekannt ist.

Es wird Zeit für deutliche Worte und deutliche Taten.

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