Stellungnahme der Grünen Brüggen zur Raumverträglichkeitsprüfung Delta Rhine Corridor

Gestern ging die Bürgerbeteiligung NRW zur Raumverträglichkeitsprüfung für den Transport von CO2 zu Ende. Auch wir Grünen in Brüggen haben uns positioniert, denn eine geplante Alternativroute soll duc´rch den Frachter Wald führen.

1. Grundsätzliche Position: Klimaschutz durch Vermeidung statt Verlagerung

Die GRÜNEN Brüggen bekennen sich ausdrücklich zu einem ambitionierten Klimaschutz. Der Ausstieg aus fossilen Energien und die drastische Reduktion von Treibhausgasemissionen sind zentrale Ziele grüner Politik – lokal, national und international. Gerade deshalb lehnen wir Infrastrukturprojekte ab, die den Eindruck erwecken, Klimaschutz sei mit dem Weiterbetrieb klimaschädlicher Industrien vereinbar.

Die geplante CO₂-Pipeline des Delta Rhine Corridor dient der dauerhaften Sicherung und dem Ausbau der CO₂-Entsorgung für industrielle Großemittenten. Sie verlängert die Nutzungsdauer klimaschädlicher Produktionsweisen, anstatt echte Vermeidung zu ermöglichen. Aus grüner Sicht ist das der falsche Weg: CO₂-Vermeidung an der Quelle hat Vorrang vor CO₂-Abscheidung, Transport und Lagerung (CCS). Eine Pipeline, die CO₂ über Jahrzehnte transportiert, zementiert fossile Strukturen und verzögert die notwendige Transformation. Wir fordern daher, dass alle politischen Ebenen konsequent auf echte Emissionsvermeidung, Energieeffizienz, erneuerbare Energien und klimaneutrale Produktionsverfahren setzen – statt Milliarden in Infrastruktur für die Ewigkeit fossiler Emissionen zu investieren.

2. Schutz des Naturschutzgebiets ‚Brachter Wald und Heidemoore‘

Die untersuchte Alternativtrasse A 2.36 verläuft durch das Gebiet der Gemeinde Brüggen und durchquert dabei in erheblichem Umfang das Naturschutzgebiet ‚Brachter Wald und Heidemoore’ sowie das EU-Vogelschutzgebiet DE-4603-401 und das Fauna-Flora-Habitat-Gebiet DE-4702-302.

Der Brachter Wald ist eines der ökologisch wertvollsten Gebiete unserer Region – ein überregional bedeutsamer Lebensraum für zahlreiche geschützte Arten, ein wichtiger Baustein des Biotopverbunds und ein Ort der Naherholung für die Menschen in Brüggen und der gesamten Region. Der Bau einer CO₂-Fernleitung durch dieses Schutzgebiet würde zu massiven, teils irreversiblen Eingriffen führen:

  • Zerstörung und Fragmentierung empfindlicher Lebensräume (Wald, Heide, Moore) durch Baumaßnahmen und dauerhafte Leitungsschutzstreifen
  • Beeinträchtigung geschützter Arten und ihrer Fortpflanzungs- und Ruhestätten
  • Störung des Wasserhaushalts, insbesondere in den sensiblen Moorbereichen
  • Dauerhafte Einschränkung der naturnahen Waldentwicklung und der ökologischen Funktionen des Waldes
  • Zerschneidung zusammenhängender Waldflächen mit negativen Folgen für die ökologische Resilienz – gerade angesichts zunehmender Klimastressoren wie Trockenheit und Hitze
  • Beeinträchtigung des Landschaftsbildes und der Erholungsfunktion des Gebiets

Wir GRÜNEN Brüggen stellen klar: Naturschutzgebiete und europäische Schutzgebiete (FFH, Vogelschutz) sind für uns Tabuzonen für industrielle Großinfrastruktur. Der Schutz dieser Gebiete ist nicht verhandelbar. Eine CO₂-Pipeline durch den Brachter Wald widerspricht zudem den Zielen des EU-Naturschutzrechts, der Wasserrahmenrichtlinie und der Biodiversitätsstrategie.

3. Bodendenkmal ‚Römerstraße (B)‘ und kulturelles Erbe

Die Trasse tangiert zudem das eingetragene Bodendenkmal ‚Römerstraße (B)‘. Auch der Schutz unseres kulturhistorischen Erbes ist für die GRÜNEN Brüggen ein hohes Gut. Eingriffe in Bodendenkmale sind mit erheblichen Konflikten verbunden und in der Regel nicht oder nur mit unverhältnismäßigem Aufwand ausgleichbar.

4. Wald, Forstwirtschaft und Klimaresilienz

Die dauerhaften Leitungsschutzstreifen würden die forstwirtschaftliche Nutzung und Entwicklung im Brachter Wald langfristig einschränken. Die Pflanzung tiefwurzelnder Baumarten,  Wiederaufforstung und naturnahe Waldentwicklung – zentrale Instrumente, um unsere Wälder klimaresilient zu machen – wären auf den Schutzstreifen dauerhaft ausgeschlossen. Gerade angesichts der dramatischen Waldschäden der vergangenen Jahre durch Trockenheit und Borkenkäfer ist ein unzerschnittener, klimastabiler Waldbestand unverzichtbar.

5. Gefahrenabwehr und Sicherheit

Auch aus Sicht der GRÜNEN Brüggen sind die Risiken für die örtliche Gefahrenabwehr bislang unzureichend geklärt. Ein Austritt größerer CO₂-Mengen bei einem Störfall kann für Menschen und Tiere lebensgefährlich sein. Auswirkungen auf Einsatzplanung, Ausbildung und Ausrüstung der Feuerwehr sowie die entstehenden Kosten müssen transparent dargestellt und bewertet werden.

6. Naherholung, Umweltbildung und Lebensqualität

Der Brachter Wald ist ein zentraler Ort der Naherholung, des Naturerlebens und der Umweltbildung für die Gemeinde Brüggen. Eine industrielle Großtrasse würde diese Qualitäten dauerhaft beeinträchtigen und den gemeindlichen Zielsetzungen zum Erhalt der besonderen Natur- und Landschaftswerte widersprechen.

7. Fazit und Forderung

Die GRÜNEN Brüggen lehnen die Alternativtrasse A 2.36 durch das Gemeindegebiet – insbesondere durch das Naturschutzgebiet ‚Brachter Wald und Heidemoore‘ und die europäischen Schutzgebiete – entschieden ab.

Unsere Position beruht auf zwei Grundpfeilern grüner Politik:

• Klimaschutz durch Vermeidung: Eine CO₂-Pipeline ist keine Klimaschutzmaßnahme, sondern die Fortschreibung fossiler Industrie. Wir brauchen echte Emissionsvermeidung, nicht die Verlagerung von CO₂ in Leitungen und Speicher.

• Schutz unserer Natur: Der Brachter Wald mit seinen Heidemooren ist ein Schatz, den wir bewahren müssen – für den Arten- und Klimaschutz, für die Biodiversität, für die Klimaresilienz unserer Wälder und für die Lebensqualität der Menschen in Brüggen.

Wir fordern die Träger des Verfahrens auf, die Trasse A 2.36 nicht weiterzuverfolgen und stattdessen solche Alternativen zu prüfen, die die Schutzgüter in Brüggen nicht beeinträchtigen.

Zudem fordern wir, den Ausstieg aus fossilen Energien und die Vermeidung von CO₂-Emissionen an der Quelle konsequent voranzutreiben, statt in CCS-Infrastruktur zu investieren.