Unsere Stellungnahme zum Facebook Beitrag des Bürgermeisters

Am Sonntag, den 10.02.2019 schrieb Bürgermeister Frank Gellen in der Facebook Gruppe „Burggemeinde – Infoportal“ einen Stellungnahme zu den Baumfällung und den aus seiner Sicht zum Großteil unsachgemäßen Äußerungen in den verschiedensten Medien. Wir als Bündnis 90/Die Grünen wollen diese Stellungnahme nicht unbeantwortet lassen.

Sehr geehrter Herr Bürgermeister!

Mit großem Interesse, aber auch mit Bestürzen haben wir Ihre Ausführungen zu den Baumfällaktionen in der Gemeinde zur Kenntnis genommen.

Sie erlauben, dass wir als Ihr Grüner Ortsverband dazu Stellung nehmen.

Zunächst aber stellen auch wir zu unserem Bedauern fest, dass in der politischen Diskussion eine sprachliche Verrohung stattfindet, die dem demokratischen Streitgespräch nicht guttut. Die von Ihnen zitierten Worte sind völlig inakzeptabel. Wir werden sie aber hier weder bewerten, noch kommentieren. Wir fühlen uns schlichtweg nicht angesprochen. Sehr wohl stehen wir zu der von uns getroffenen Aussage, dass der Beschluss der Ausschussmitglieder, die Linde im Finkenweg zu fällen, „gedankenverloren“ getroffen wurde.

Ausführlich gehen Sie auf die Problematik und den Verzicht einer Baumschutzverordnung ein. Der Antrag, dass sich Brüggen selbst eine „Baumschutzsatzung“ verordnet, ist ein Antrag einer engagierten Bürgerin unserer Gemeinde aus dem Jahr 2017. Er wurde im Rat gegen die Stimmen der grünen Fraktion abgelehnt. Der von Ihnen, Herr Bürgermeister, getroffenen Begründung widersprechen wir mit Nachdruck. Baumschutzverordnungen existieren bereits in vielen Städten und Gemeinden. Auch verfügt NRW über eine eigene Baumschutzverordnung. Warum soll in Brüggen nicht funktionieren, was in anderen Städten und Gemeinden einvernehmlich angewandt wird? Stattdessen verweisen Sie auf ein „Konzept zum Umgang mit Bäumen auf dem Gebiet der Burggemeinde Brüggen, insbesondere mit dem gemeindlichen Baumbestand“. Dieses, von der Verwaltung erarbeitete Konzept erweckt den Eindruck, bestenfalls den Charakter einer „freiwilligen Selbstverpflichtung“ zu sein und lässt sich aufgrund der Vielzahl der dort festgeschriebenen Ausnahmeregelungen getrost als „Baumfällschutzverordnung“ lesen. Sie betonen, dass das Konzept von der Verwaltung sehr verantwortungsvoll angewendet wird. Wohl eher kein Problem, wenn man per Ausnahmeregelung bereits alle Möglichkeiten abgedeckt hat. Spätestens die Regelung „wenn durch Bürgerinnen und Bürger Anträge zur Fällung eingehen und der Natur- und Umweltausschuss die im Antrag beschriebenen Beeinträchtigungen als unzumutbar erachtet“, öffnet der Kettensäge Tür und Tor.

Was wir fordern, ist eine Baumschutzsatzung, die sich vom Gedanken leiten lässt, dass die Baumfällung als „Ultima Ratio“ anzusehen ist. Vorab sind alle Möglichkeiten zu erörtern, die den Erhalt des Baumes, zum Ziel hat. Das erfordert Kreativität und den festen Willen, zum Wohle des Baumes handeln zu wollen. Im Einzelfall wird es bestimmt auch Geld kosten. Das heißt, dem Baum ist ein anderer Wert jenseits des monetären Ansatzes eines Festmeters toten Holzes beizumessen. Bäume haben einen ökologischen Wert – eine 100-Jährige Linde z. B. produziert an heißen Sommertagen Sauerstoff für 10 Menschen – , verfügen als Straßenbaum offensichtlich über genetische Besonderheiten, die bei Fällung unwiderruflich verloren gehen und verleihen einem Ort zusätzlich einen ganz besonderen Charme, der dazu führen kann, dass Touristen es als reizvoll empfinden, hier ihre sonntägliche Freizeit verbringen zu wollen.

Zusätzlich empfehlen wir, interessierten Menschen, die in Brüggen ansiedeln wollen, darauf aufmerksam zu machen, dass auch bei uns mit typisch ländlichen Verhaltensmustern gerechnet werden muss. Bäume lassen nun einmal naturbedingt im Herbst ihre Blätter fallen, nehmen Tageslicht, was ja im Sommer kein Nachteil sein muss und bieten Vögeln und Insekten Lebensraum, was dem Menschen leider zusätzliche Arbeit beschert. Wer das nicht akzeptieren will, sollte besser in der Stadt siedeln! Gott sei Dank findet auch dort ein Umdenken statt und Bäumen wird auch in Städten mittlerweile ein hoher Stellenwert beigemessen.

Lassen Sie uns zu den Fällungen auf dem Gelände der ehemaligen Landesjagdschule überleiten. Hier wurde, auch wenn Sie sich bemühen, es anders dar zu stellen, aus Gründen einer besseren wirtschaftlichen Vermarktung der Grundstücke gesunder Baumbestand aufgegeben. Dies, obwohl der Gemeinde ein von ihr selbst in Auftrag gegebenes Baumgutachten vorliegt, das festhält, dass es sich zumindest teilweise um erhaltenswerte Bäume handelt. Sie, Herr Bürgermeister, verweisen darauf, dass die beiden großen Parzellen in Besitz der Gemeinde verbleiben, um damit „bezahlbaren Wohnraum“ zu schaffen. Besser fänden wir es, wenn die Gemeinde auf die komplette Veräußerung des Geländes verzichtet hätte. Der alte Baumbestand hätte in Teilen gerettet werden können und vielleicht könnte sogar ein drittes Haus auf dem Gelände errichtet werden, welches ebenfalls den Kriterien des „bezahlbaren Wohnraums“ entsprechen würde. Den Mietern hätte so das Gefühl vermittelt werden können, in parkähnlicher Umgebung mit hoher Wohnqualität zu leben. Zusätzlich hätten die Bäume im Sommer als Luft- und Klimapuffer für ein angenehmes Wohnen gesorgt. Damit wäre der Gemeinde der Spagat von Ökologie, Ökonomie und sozialer Kompetenz gelungen. Schade, dass der auf Rand genähte Gemeindehaushalt auf den Erlös der Grundstücke nicht verzichten kann, will man ihn einigermaßen ausgeglichenen gestalten.

Zum Schluss noch ein Beispiel, das den möglichen Vorwurf, wir Grüne würden in der Gemeinde den Erhalt von Bäumen zum Dogma erklären wollen, entkräftet. Wir haben, wie bekannt, für den Erhalt der Linde im Finkenweg demonstriert. Dabei sprachen uns Passanten ihr Bedauern aus, dass wir nicht mit demselben Nachdruck für die Bäume auf dem Burgwall eingetreten sind. So kamen wir in die bizarre Situation, bei einer Demonstration zum Erhalt eines Baumes für Verständnis zur Fällung anderer Bäume zu werben. Es zeigt aber auch, dass sich die Brüggener in den Entscheidungen von Rat und Verwaltung im Punkt Naturschutz nicht mitgenommen fühlen und dass sie keine Betonwüste im Ortskern wollen.

Verwaltung und Rat verweisen immer wieder auf Ersatzpflanzungen für Baumfällungen. Tatsächlich verhält es sich so, dass die Ökobilanz alter gesunder Bäume wie oben beschrieben, nicht durch Anpflanzung von Jungbäumen 1:1 ausgeglichen wird. Wer Baumfällungen im Ortskern zustimmt, willigt ein, dass die Defizite der Gemeinde über Jahrzehnte erhalten bleiben. Und wenn er dann auch noch entscheidet, diese Neupflanzungen nicht im Ortskern durchführen zu lassen, sondern „irgendwo“, wird diese Defizite nie ausgeglichen bekommen. Wollen wir das wirklich den nachfolgenden Generationen als unser Erbe mit auf den Weg geben?

Mit herzlichen grünen Grüßen
Ulrich Deppen und Thomas Overbeck

Wir würden uns freuen, wenn Sie, verehrte Leserinnen und Leser, uns Ihre Sicht zu den Baumfällung mitteilen würden. Schreiben Sie uns eine Mail an ortsverband@gruenebrueggen.de

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